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Stichwort: Pferdegeschichten

Die spannenden 30 Jahre von "Little Man"

Seine aufregende Lebensgeschichte ist auch die Lebensgeschichte der ganzen Familie Pilartz

Von Hanno Pilartz

Hier soll die Lebensgeschichte des Wallachs Little Man Eight geschildert werden, ein American Quarter Horse, geboren am 14. Juli 1975. Doch bevor wir uns eingehend mit ihm befassen, ist es wichtig, ein wenig die Vorgeschichte zu kennen.

Teil 1:
Die Vorgeschichte

Im Jahre 1970 kannten in Deutschland nur sehr wenige Pferdekenner das American Quarter Horse. Der Amerikaner Alan Jacob hatte einige Pferde dieser Rasse nach Deutschland gebracht als er für U.S.-Militärangehörige Ende der Sechziger eine Art Rodeo-Wanderzirkus aufzog. Eines dieser Pferde kaufte Günther Schleiermacher, ein kleiner Gurkenfabrikant aus der Nähe von Köln. Recht glücklich wurde er mit diesem Tier allerdings nicht, denn als „Barrel Racer“ – ein Rennpferd auf einem Dreieckskurs um 3 Tonnen – kannte die Stute eigentlich nur ein Tempo: Vollgas.

Aber Schleiermacher hatte „Blut geleckt“, wollte weitere „Cowboy-Pferde“. Aus den U.S.A. war 1970 wegen einer Pferdeseuche kein Import möglich. Daher erstand er in Ontario, Kanada, einer eher ungewöhnlichen „Zucht-Region“, die damals fünfjährige Stute Cimarron Lady Eight. Sämtliche Vorfahren dieses Pferdes waren aus der Gegend von Amarillo, Texas, wo auch das Stutbuch des American Quarter Horses geführt wird. Ein damals noch recht bekannter Vorfahre der Stute war der Hengst Joe Hancock, ein Viertel-Meilen-Rennpferd, das sehr nachhaltig die Zucht von Ranchpferden im amerikanischen Westen beeinflusst hatte, da er schnelle und clevere Nachkommen mit Cow-Sense (Talent zum Arbeiten von Rindern) zeugte, die zudem „glas-hart“, genügsam und langlebig waren.

Von all dem verstanden die ersten deutschen Quarterhorse-Fans um Günter Schleiermacher, Hardy Oelke und Horst Geier – häufig beraten von Alan Jakob und dem Schweizer Jean-Claude Dysli - noch recht wenig. Zu ihnen gesellte sich Siegfried Pilartz aus Köln, der mit Günter Schleiermacher schon eine Weile befreundet war und spät – mit Anfang 40 – seine Freude an Pferden und am Reiten entdeckte. Er war Gründungsmitglied der Deutschen Quarterhorse Association und hatte deren Mitglieds-Nr. 1, was eher ein Zufall war, denn ein leidenschaftlicher Züchter wurde er nie.

1973 gelang es Pilartz, Günter Schleiermacher zum Verkauf von Cimarron Lady Eight – der Einfachheit halber „Cindy“ genannt - zu überreden, die er im kleinen Reit-Betrieb in Erftstadt bei Köln schon eine Weile regelmäßig ritt. Es war die Zeit als Jean-Caude Dysli Quarterhorses und Apaloosas auf der Equitana in gebissloser Zäumung – der kalifornischen Hackamore – dem staunenden deutschen Publikum vorstellte, sicherlich beeinflusst von Ursula Bruns, die etwa ein Jahrzehnt früher den Isländer als „Exoten-Rasse“ in Deutschland bekannt gemacht hatte. Frau Bruns und Dysli waren nicht zufällig befreundet.

Teil 2:
Der Weideunfall

Cindy (Cimarron Lady Eight) hatte 1973 ihr erstes Fohlen. Zum Deckzeitpunkt war sie noch im Besitz von Schleiermacher, der mit King Hank Junior den wohl ersten Quarterhorse-Zuchthengst nach Deutschland importiert hatte. Vor diesem gab es noch den Hengst Bull’s Billy Van von Allen Jacob, der als Rodeopferd nach Deutschland gekommen war. Leider verstanden die Tierärzte um Erftstadt bei Köln damals nicht viel von Pferden und der kleine Hengst starb kurz nach seiner Geburt an einem Darmverschluss.

Im Spätsommer 1974 brachte Siegfried Pilartz seine Stute nach einem Geländeritt in den Abend hinein zurück auf die Weide zu den anderen Schleiermacher-Stuten. Er übersah in der Dämmerung, dass der Hengst mit den Stuten lief, was im Nachhinein als ein glücklicher Zufall erscheinen mag. Als die Stute im Februar 1975 mit ihrem Besitzer sowie Schleiermacher und dessen Pferden in der südfranzösischen Camarque Urlaub machte und die weißen Camarquais-Hengste hinter ihr her wieherten, mochte niemand so recht daran glauben, dass sie tragend war. Ultra-Schall am Pferd gab es damals nicht.

Aber im Juli 1975 brachte Cindy ihr zweites Hengstfohlen zur Welt, dass freundlicherweise fast ohne Tierarzt-Hilfe ein gesunder kräftiger Kerl wurde. Die seltsame Namensgebung - „Little Man Eight“ -stammt natürlich aus der Zeit als der kleine Kerl als Saugfohlen über die Erftstädter Weiden stackste. Schleiermacher war inzwischen ambitionierter Züchter, an gleichaltriger Gesellschaft mangelte es dem Jungspund nicht. Sein Vater war an Horst Geier, den späteren Gründer der „Americana“ verkauft worden, als Ersatz war mit „Joe“ Buckskin Dear der Hengst importiert worden, der die frühe deutsche Quarterhorse-Zucht wesentlich prägte.

Pferd Little Man
So war sein ganzes Leben: Behutsam und vorsichtig ging es über manch wackeligen Weg: Little Man.

Ende 1977 wurde Little Man Eight – inzwischen Wallach – vorsichtig an den Sattel gewöhnt, durch eine der zahlreichen amerikanischen Trainerinnen, die Schleiermacher damals hatte. Diese war hellsichtig genug, mit dem jungen Kerl nicht viel mehr zu machen. Pilartz hatte sich in der Eifel ein altes Fachwerkhaus mit Stall und Weiden renoviert, wo seine Stute nebst Sprössling regelmäßig Urlaub machte. Im Herbst 1978 wurde dieser von Margaret Wright, der wohl besten Trainerin, die Schleiermacher je hatte, vorsichtig einer Grundausbildung unterzogen. Als Pilartz von ihr sein Jungpferd zum ersten Proberitt übernahm, stand die junge Trainerin mit hochrotem Kopf da, was sich nach ein paar Runden auf dem Reitplatz durch den Pferdebesitzer aber schlagartig in fröhliche Gelassenheit wandelte.

Auf die Frage von Pilartz, warum sie denn so nervös gewesen sei, platzte sie heraus: „Weißt Du, was das bedeutet, wenn man 3 Monate Arbeit in ein junges Pferd gesteckt hat, und darf dann u. U. zuschauen, wie der dämliche Besitzer das alles in ein paar Minuten zunichte macht?“. „Und, was meinst Du jetzt?“ lautete die Gegenfrage. „Ist schon okay, reite ihn weiter so...“ war die Antwort. Dabei hatte Siegfried Pilartz niemals auch nur eine Stunde Reitunterricht in seinem Leben. Alles was er bis heute mit Pferden kann, haben ihm nach eigenen Angaben seine Pferde beigebracht, oder er hatte es sich von anderen Reitern abgeschaut. Was nicht gerade zur Nachahmung empfohlen sei, und sehr für seine Pferde spricht...

Teil 3:
Umzug in die Eifel

1981 wuchsen Schleiermachers züchterische Ambitionen einmal mehr, er brauchte Platz im Stall und auf den Weiden. Seinem Freund Pilartz schlug er vor, er möge doch seine Pferde fest an seinem Wochenendhaus in der Eifel halten. Der Nachbar mit seiner Feierabend-Landwirtschaft könne sie doch sicher unter der Woche versorgen. So kamen in ein kleines Dorf in der Hocheifel wieder Pferde, die dort seit einem Vierteljahrhundert eher ausgestorben waren, denn „Sportpferde“ leisteten sich damals überwiegend Städter. Turniere gingen allerdings weder Siegfried Pilartz noch seine beiden Pferde, von ein paar „Spaß-Turnieren“ bei Schleiermacher einmal abgesehen. Das „Freizeit-Reiten“ wurde gerade „erfunden“, aber davon wusste Pilartz nichts. Seinen Freunden sagte er oft: „Ich kann eigentlich nicht reiten, aber ich mach’s trotzdem“. Mit seiner Frau war er oft lange Stunden in den Eifelwäldern unterwegs, beide „spät-berufene“ Reiter, denen nichts anderes übrig blieb als auf ihre Pferde zu hören, zumal beide von Karte lesen nicht viel hielten. Cindy und Little Man brachten sie immer heil nach Hause.

Teil 4:
Beinahe Endstation Pferdemetzger

Im späten Winter 1983 bekam Little Man Husten. Der nächste Tierarzt hatte – wie damals üblich – wenig Erfahrung mit Pferden, ergo war er in der Behandlung nicht sehr erfolgreich. Als der Husten sehr schlimm wurde, riet er zum Transport beider Pferde zur Tierärztlichen Hochschule Hannover. Dort sollte eine Lungenspülung bei Little Man durchgeführt werden. Doch dafür schein es dann doch zu spät, die niederschmetternde Diagnose lautete „Unheilbare Dämpfigkeit“ und es wurde zur Schlachtung geraten. Schweren Herzens sah sich Siegfried Pilartz nach einem Ersatz für seine „Selbst-Züchtung“ um. Doch Little Man hatte Glück.

Durch geschäftliche Probleme – ein Niederlassungsleiter hatte in die Kasse gegriffen – konnte sich Pilartz ein paar Wochen nicht um seine Pferde kümmern und es gab ein sehr zeitiges Frühjahr in der Eifel. Little Man und seine Mutter kamen ungewöhnlich früh auf die Weide – und der schlimme Husten lies nach, um Ende Mai vollständig zu verschwinden. Als Ursache der Dämpfigkeit stellte sich eine Heu-Allergie heraus, was zwar der Tierarzt und die Hochschulprofessoren nicht wussten, aber immerhin der Hufschmied der beiden Pferde. In den nachfolgenden Wintern erhielten beide Pferde überwiegend Stroh als Raufutter. Wie sie das ohne Anschoppungskolik überstanden haben, ist bis heute rätselhaft. Ab 1988 wurde dann das Heu regelmäßig getaucht, seitdem gibt es keinen Husten mehr.

Teil 5:
Pferdeliebe durch alle Generationen

Etwa 1986 bekam Siegfried Pilartz von seiner Frau die Kündigung. Nein, nicht die Scheidung, aber Reiten wollte die Frau seines Lebens mit Vollendung des 65ten Lebensjahres nicht mehr. Es fanden sich immer wieder junge Mädchen, die mit Pilartz im Gelände unterwegs waren, aber einsame Allein-Ritte waren nicht seine Sache. Da traf es sich gut, dass sein Sohn Hanno – nach fünfjährigem Afrika-Aufenthalt als Entwicklungshelfer nun wieder in Deutschland – sich zunehmend um Vaters Pferde kümmerte. Er hatte bereits mit 11 Jahren – noch vor seinem Vater – reiten gelernt, wobei er dessen Abneigung gegen Reitvereine, Turnierreiten u. ä. teilte. Hanno Pilartz war damals selbst schon Vater, und ab 1987 ritt sein damals 7jähriger Sohn André häufig die schon 22jährige Cindy, während Hanno Little Man ritt.

Ab 1990 ging Little Man zusammen mit seiner Mutter unter Hanno Pilartz, seinem Sohn oder Freunden unregelmäßige Wanderritte. Und in Freizeitreiterkreisen fing man an, den Eisenbeschlag kritisch zu sehen. Bei Pilartz beschlug seit Anfang der achtziger Jahre ein guter, weltoffener und kompetenter Hufschmied, der auf keine Frage – oft während des Aufhaltens und Beschlagens gestellt – eine Antwort schuldig blieb. Auch mit Kunststoff experimentierte er, leider damals noch ohne Erfolg.

Als dieser Hufschmied ab Ende 1992 schweren Herzens aus Zeitmangel nicht mehr in die Hocheifel kommen wollte, gab es zunächst einen wenig befriedigenden Ersatz aus der näheren Umgebung. Ab Spätherbst 1993 sollten beide Pferde das Barhuf-Laufen nach Dr. Hiltrud Strasser erlernen, was sich aber ab etwa Ostern 1994 als nicht durchführbar auf dem steinigen Geläuf und den ebenfalls steinigen Weiden erwies. Kurze Versuche mit Hufschuhen waren ebenfalls erfolglos. Im Sommer 1994 beschlug Hanno Pilartz die beiden Quarter erstmals selbst mit Kunststoffbeschlägen, bangen Herzens und aus nackter Verzweifelung, denn ein Profi-Hufhandwerker, der das damals in der Hocheifel gemacht hätte, war auch nach langem Suchen nicht aufzutreiben. Sein früherer Hufschmied machte ihm Mut. „Du hast bei mir genug gelernt, um das zu können“ und „Lass sie nach ca. 8 Wochen Beschlagzeit eine Weile barhufig gehen, die laufen sich dann die Hufe so zurecht, wie sie’s brauchen, so kannst Du nicht viel falsch machen“ sagte er. Seit dem hat kein Pferd mehr Eisen unter den Hufen gehabt in der Pilartz’schen Pferdehaltung. Und insbesondere Little Man musste im Laufe der Jahre so ziemlich alles an Kunststoff-Beschlägen testen, was auf den Markt kam, oder – in einigen Fällen – die Marktreife gar nicht erst erreichte.

Teil 6:
Ein neuer Kamerad

Als sich Cindys Alter immer mehr der Dreißig näherte, gab es zwischen Hanno und Siegfried Pilartz immer wieder Diskussionen, was im Falle ihres Ablebens geschehen sollte, denn Little Man konnte schließlich nicht alleine leben. Im Spätherbst 1994 wurde der Entschluss gefasst, Little Mans frühere Trainerin, die längst wieder in den U.S.A. lebte, mit einer „vorsorglichen Ersatzbeschaffung“ zu beauftragen. Margaret Wright sollte in den Rocky Mountains des nordwestlichsten Bundesstaates Washington – wo sie lebte – ein noch ungerittenes, dreijähriges Ranchpferd finden, im Auftrag kaufen und dann für Pilartz einer vorsichtigen Grundausbildung unterziehen.

Die Suche dauerte fast ein halbes Jahr, dann wurde „Joe’s Dry Fly“ gekauft. Dessen Züchter ließen sich nur zum Verkauf des Tieres überreden, weil ihre Vorfahren aus Deutschland stammten und ihnen die Idee gefiel, ein Pferd aus ihrer Ranchpferdezucht würde ins Land ihrer Vorväter gehen. Als viereinhalbjähriger Wallach traf Joey im Juli 1996 in Amsterdam ein. Mit seinen neuen Kollegen verstand er sich sofort, und die an sich nicht glückliche Anzahl von 3 Pferden in einer Gruppe machte ihm nie etwas. 6 Wochen nach seiner Ankunft marschierte er mit zum Windrosentreffen 1996 in Kröv an der Mosel, ein Ritt von 260 km in 6 Tagen. Die alte Cindy war unter der 11-jährigen Nichte von Hanno Pilartz mit zarten 31 Lenzen das mit weitem Abstand älteste teilnehmende Pferd, sinnigerweise unter der jüngsten teilnehmenden Reiterin.

Teil 7:
Die Herde wird größer

Im Spätherbst 1998 gab es bei Pilartz neuen Pferdezuwachs, eine damals 20jährige Araber-Pony-Mix-Stute und ein vermutlich gut 25jähriges Shetland-Pony. Beide gehören einer jungen Frau, die die Tiere von ihrem Großvater geerbt hatte. In der familieneigenen Fleischrinderzucht waren sie jahrelang mit gehalten worden, was schließlich nicht mehr so ideal war. Vor allem die Integration der Stute war anfangs sehr schwierig, das Tier hatte wenig Sozialverhalten. Es war einmal mehr die alte Cindy als Leitstute, die der jüngeren Geschlechtsgenossin Benehmen bei brachte. Dafür reichte aber immer ein Ohrenzucken. Ende November war die Eingliederung der Neuankömmlinge schon gut gediehen als der erste Schnee fiel. Kaum war alles weiß, sorgte Little Man sehr nachhaltig dafür, dass die Neuen mindestens 100 Meter Abstand zur Herde hielten. Denn beide sind gescheckt, und auch eine Mini-Herde von Braunen und Füchsen fällt durch zwei gescheckte Pferde in der weißen Pracht noch mehr auf als eh schon. Dass die Wölfe in der Hocheifel seit Jahrhunderten ausgestorben sind, wollte Little Man einfach nicht glauben.

Pferdhof
Ideales Reitgelände: Wo "Little Man" zuhause ist, werden Reiterträume Wirklichkeit.

Am ersten sonnigen Aprilwochenende des Jahre 2000 starb die alte Cindy plötzlich und unvermittelt an einem Gehirnschlag, so schnell und schmerzarm, wie es kein Tierarzt mit der Giftspritze hingekriegt hätte, und vor den Augen ihrer Menschen auf dem Winterpaddock. Am Vortag war sie noch im Gelände mühelos Arbeitsgalopp gegangen. In ihren letzten Lebensjahren hatte sie überwiegend Kinder und leichte Erwachsene getragen. Außer vier fehlenden Backenzähnen und einem leichten Infekt im Winter 2000 hatte sie kaum Wehwehchen. Ein paar Wochen fehlten ihr zur Vollendung ihres 35ten Lebensjahres. 28 Jahre hatte sie in der Obhut der Familie Pilartz verbracht. Die anderen Pferde nahmen Abschied von ihrer Leitstute. Nachdem ihr Körper abgeholt worden war, wurde es mit Little Man schwierig. Gut 12 Stunden war es kaum möglich, ihn zu beruhigen, auch Sedativa halfen wenig. Aber schließlich blieb ihm als Ältesten und als direkter Abkömmling der Leitstute nichts anderes übrig als die Rolle des Leittieres selbst zu übernehmen.

Teil 8:
Man wächst mit den Aufgaben

Little Man hatte – anders als seine Mutter – ab 1999 gelegentliche Probleme im Bewegungsapparat, die sich hinsichtlich der Ursache nie so recht erklären ließen. Im Spätsommer 2001 wurde bei ihm schließlich – nach zahlreichen anderen Untersuchungen ein Equines Cushing-Syndrom diagnostiziert, was sich im Nachhinein als Ursache diverser Gelenk-, Sehnen und Muskelprobleme heraus stellte. Bereits 8 Monate vorher war diese Hormonstörung bei dem Shetland-Pony als Ursache einer langjährigen Hufrehe erkannt worden. Ein Jahr später wurde die gleiche Alterskrankheit bei der Araber-Pony-Mix-Stute Nadja festgestellt. Seitdem bekommen alle drei „Alten“ ihre tägliche Hormonpille.

Little Man und Nadja sind nach einiger Zeit der Symptombehandlung bis heute so fit, dass sie Wanderritte gehen können. 8-10 Stunden wöchentlich sind sie fast immer im schweren Gelände der Hocheifel unter dem Sattel. Little Man als Herdenchef hat noch ein wenig mehr Verantwortung übernehmen müssen, denn seit Januar 2003 gibt es in der Herde noch ein junges Maultier – im nahegelegenen Tierheim erworben. Und seit Sommer ist noch ein junger, kräftiger Mischling – angeblich Haflinger-Hannoveraner-Mix, ein Wallach von knapp 3 Jahren dazugekommen. Mit fast 30 Jahren ist Little Man heute ein manchmal granteliger, aber immer leistungsbereiter „Renn-Rentner“. Im Galopp treibt es ihn zwar nicht mehr zu Höchstleistungen, aber in der Ausdauer auf Langstrecke macht er den Jungen oft noch etwas vor. Wie sagt man so schön? „Ein altes Pferd kennt das Leben...“ und der Alte weiß genau, wen er auf dem Rücken hat, oder wie man sich an einem langen Wanderreittag seine Kräfte einteilt.

Teil 9:
Auch "Little Man" hilft Ingwer

Als "Testpferd" muss Little Man wie seine übrigen Herdenmitglieder nach wie vor herhalten. Im Spätherbst 2004 wurde die Fütterung in der Pilartz’chen Pferdehaltung komplett umgestellt. Müsli- und Fertigfutter sowie Mineral-/Vitamin-Ergänzungsfutter wurden nach den Erkenntnissen von Dr. Stefan Brosig komplett gestrichen. Als Ergänzung gibt es lediglich etwas Bierhefe und frisch geschroteten Leinsamen sowie Möhren, ansonsten frisch gewalzten Hafer, eingeweichte Grascobs, Luzerneheu (für die „Alten“), und sehr gutes Eifel-Wiesenheu. Ebenfalls angeregt durch Stefan Brosig erhalten alle Pferde Ingwer. Little Man Eight ist ein „Auslaufmodell“. Er ist der Typ Quarterhorse, der die Rasse groß und berühmt gemacht hat, aber leider sind Pferde seiner Art – vielseitige, menschenfreundliche Ranchpferde - heute selten geworden. Menschen neigen dazu, immer mehr zu wollen. Dabei verlieren sie oft das Beste, was sie je haben konnten. Denn durch die Spezialisierung auf die verschiedenen Disziplinen, die mit Westernpferden bestritten werden, ist auch das „vielseitigste Pferd der Welt“ (Werbung der American Quarterhorse Association) leider nicht mehr das, was es einmal war.

 
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